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Inklusive Pferd

Alles begann im Sommer 2017 mit einem Aufruf auf Facebook: „Ich möchte Pferde und Reiter fotografieren, die aus dem Raster fallen. Die anders sind. Die eine besondere Geschichte zu erzählen haben.“, schrieb Diana Wahl, die vor allem durch ihre außergewöhnlichen Goldpferd-Fotografien weltweit bekannt geworden ist. Die Resonanz auf diese zwei Zeilen war immens, es meldeten sich Reiter, die entweder selbst körperlich eingeschränkt sind oder die Pferde haben, die beispielsweise eines oder beide Augen verloren hatten. Das Feedback war deutlich größer, als Diana es erwartet hatte und die Auswahl der zu fotografierenden Paare für das Projekt fiel ihr schwer. 


Dieses Bild entstand im August 2017 und war eines von Dianas ersten Fotografien für „Inklusive Pferd“.

Am Ende suchte sie 15 Paare aus, die sie fotografieren wollte. Das Projekt sollte größer werden und so entstand die Idee eines Bildbands mit dazugehörigem Blog. Nachdem Diana ein paar Shootings abgeschlossen hatte, musste das Projekt unerwartet pausieren. Die Karriere der Fotografin nahm richtig Fahrt auf und so fehlten schlicht und ergreifend die Ressourcen für das Herzensprojekt der besonderen Pferde mit den dazugehörigen Menschen. Damals schafften es nur wenige der Fotos in die Öffentlichkeit und schlussendlich wurde es ruhig um die Idee der „Para Sport Reihe“. Was fehlte, war der richtige Rahmen für die außergewöhnliche Bildreihe. 

Erst die Kontaktaufnahme von Sarah Naumann brachte den Stein wieder ins Rollen. Diese hatte eine ähnliche Idee wie Diana, wollte allerdings das Projekt lieber unterstützen, anstatt ein eigenes Unterfangen auf die Beine zu stellen. Aufgrund eines Unfalls beim Gleitschirmfliegen musste sie sich neu auf den Reitsport einstellen. Sarah Naumann ist Mediengestalterin für Bild und Ton, fotografiert ab und an und steckt hinter den Texten und der Technik von Inklusive Pferd. In ihrem Rücken sind acht Schrauben, Gesäß und Füße sind zum Teil taub und ihre Wadenmuskulatur ist nicht so kräftig, wie sie sein sollte. Doch wenn sie auf dem Pferd sitzt, würden die wenigsten diese Tatsachen erwarten. Denn Reiten mit Einschränkungen klappt gut, besser, als sie es selbst damals vermutet hätte, als sie sich mit der neuen Situation arrangieren musste.

Gemeinsam entschieden sie sich, das Projekt wieder aufleben zu lassen und so war die Idee rund um „Inklusive Pferd“ geboren. Mittlerweile gehört zu dem Projekt neben den Fotografien auch ein unterhaltsamer und nahbarer Podcast mit Para Reitern, die teilweise überraschend humorvoll über ihren Pferdealltag berichten – ganz anders, als man es vermutlich erwartet. Und genau das ist der Kern des Projekts.  



Das Projekt „Inklusive Pferd“ regt zum Nachdenken an, denn viele Pferdemenschen haben Vorurteile und Berührungsängste, wenn es um das Thema Pferde und Reiter mit einer Beeinträchtigung geht. Da ist es positiv überraschend, wie offen die auf Dianas dargestellten Fotografien Reiterinnen über ihr Handicap reden. Sie zeigen, dass sie nicht die personifizierte schwere Krankheit oder der menschgewordene Schicksalsschlag sind, stattdessen klären sie vor allem im Podcast mit viel Witz und Charme über die Umstände auf. Das Ziel von diesem Projekt ist es, dem Para-Sport auch langfristig mehr Aufmerksamkeit, Akzeptanz und Anerkennung zu.


Das Foto von Shanina ist 2018 entstanden – wenn sie ihren Gesprächspartnern gegenübersteht und sie die Mundbewegungen sieht, kann man sich mit ihr problemlos unterhalten. Ein Telefonat hingegen wäre schwierig. Außerdem hat Slanina eine Borderline-Störung, weswegen ihre Arme so vernarbt sind.

Dieses Foto ist 2017 entstanden – die damals 18 jährige Hamburgern hatte Leukämie, weswegen sie im Umgang mit ihrer Reitbeteiligung vorsichtig sein musste.

Diese Shetland-Stute hat das „Dwarf Syndrom“, das heißt, dass sie kleinwüchsig ist. Dadurch sind alle Gliedmaßen verkürzt, ihre Organe haben allerdings alle eine „normale“ Größe. Reiten war nicht möglich, jedoch hat sie Spaß an der Bodenarbeit gehabt. Leider ist die aufgeweckte Stute im vergangenen Jahr gestorben.

Von Pforzheim nach Arizona – Elena Dotoli

„Ich glaube ich wollte die Fotografie professionalisieren, als ich nicht mehr nur meine Freundinnen fotografisch im heimischen Stall oder auf dem Turnier begleitet habe, sondern auch Anfragen von fremden Menschen ins Haus geflattert sind.“, antwortet Elena auf die Frage, wie sie eigentlich professionelle Fotografin geworden ist. Elena Dotoli ist mittlerweile hauptberufliche Fotografin, nachdem sie sechs Jahre lang nebengewerblich tätig war. Im Januar 2020 kehrte die 32 Jährige ihrer Heimatstadt Pforzheim den Rücken und wohnt nun in Arizona.

„Als ich aufgrund unseres angedachten Umzugs nach Amerika meine Stelle als Erzieherin im städtischen Kindergarten kündigen musste, machte ich mich endgültig selbständig. Die geplante Auswanderung hat sich damals um weitere drei Monate nach hinten verzögert. Im Nachhinein hätte es nicht besser laufen können, weil ich diesen Schritt sonst niemals gewagt hätte.“, beschreibt sie den großen Schritt in die völlige Selbständigkeit. Sie konnte in dieser Zeit sehen, dass sie durchaus von der Fotografie alleine leben könne. „Rückblickend war das letzte Jahr auch eines meiner schönsten beruflichen Jahre, weil ich mich ganz auf die Fotografie konzentrieren konnte. Ich habe aber auch nonstop gearbeitet, selbst im Urlaub.“

Pferde sind für sie die schönsten Tiere der Welt: „Ich finde es bis heute einfach nur unfassbar, dass der Mensch es geschafft hat, diese Wesen zu domestizieren. Ich finde es bei jedem einzelnen Pferd bewundernswert, dass es einen Reiter akzeptiert und auf dem Rücken trägt!“ sagt Elena, die wie die meisten Pferdefotografen über die eigene Leidenschaft zu den Pferden und allgemein Tieren gekommen ist. Sie besitzt selbst eine sechsjährige Stute von Dante Weltino, die bereits als Fohlen ihren Weg zu ihr gefunden hat. Ebenso bereichert ihr Hund „Frida“ ihren Alltag.

Ihre Fotos strahlen immer das „gewisse Etwas“ aus und wer einmal ein Foto von Elena gesehen hat, der erkennt ihren Stil auf allen weiteren Bildern sofort wieder. „Wenn ich freie Projekte umsetze und tatsächlich das fotografieren kann, was ich möchte und unabhängig von Kundenwünschen agieren kann, achte ich auf eine gelungene Mischung aus Emotionen und Beziehung zwischen Pferd und Reiter, in Verbindung mit Produkten wie Sattel, Reitmodel, Trense oder Schmuck. Die Shootings sind zu 90% davon inspiriert, was ich in diesem Moment sehe und fühle. Sie sind immer intuitiv!“, schwärmt sie. Auch bei der Bearbeitung lässt sie sich ganz von ihrem Gefühl leiten: „Jeder Kunde, jedes Model und jedes Produkt ist anders und individuell und so sollte jedes dieser Elemente auch präsentiert werden.“ Ihre neue Bildstrecke „Into the Spotlight“ zeigt die Pferde genau so, wie Elena sie sieht: elegant und präsent. Dabei legt sie Wert auf eine cleane und pure Darstellung. „Diese Serie ist ganz anders als das, was ich sonst mache. Eine tolle Gelegenheit, die mir Corona und damit die zusammenhängende „Mehrzeit“ die ich hatte geboten hat“, erklärt sie.

Diese Leidenschaft spürt man, auf die Frage, was sie am schönsten an ihrem Beruf finden würde, antwortet sie: „Alles. Ich liebe den Kontakt zu Menschen und Tieren, ich liebe es, auf Tour zu sein, ich liebe es, neue Städte, Ställe und Menschen kennen zu lernen. Ich liebe die Fotografie, aber ganz besonders liebe ich es, Bilder zu retuschieren. Das gibt mir ein Gefühl der völligen Entspannung!“ erklärt sie uns. Die Entspannung merkt man ihr auch an, wenn man mit ihr über ihre Träume und Ziele spricht: „Ich bin glaube ich was das angeht vielleicht etwas anders, denn ich habe keine wirklichen großen Träume sondern nehme das Leben lieber wie es ist. Chancen ergreife ich, Misserfolge akzeptiere ich.“ sagt sie und führt weiter aus: „Ich finde, ich habe so die Möglichkeit, mein Leben facettenreicher zu leben, weil ich nicht auf meine großen Träume hinarbeite und zielstrebig einen Weg verfolge, sondern mich vom Leben treiben lasse und in alle Richtungen schauen kann.“

Diese entspannte Einstellung ist vermutlich auch der Grund, weswegen sie den Umzug in die USA in Angriff genommen hat: „Wir sind in die USA gezogen, weil wir die Möglichkeit bekommen haben und diese nutzen wollten. Ich war mit 20 Jahren als Aupair in London und es war eine so schöne Zeit, dass ich jedem raten kann, eine solche Option immer zu nutzen!“ sagt sie. Ihr Visum läuft fünf Jahre, wie lange sie tatsächlich bleiben, ob sie früher nach Hause kommen oder sogar eine Green Card anstreben, das steht zum aktuellen Zeitpunkt noch in den Sternen. Momentan gefällt ihr Arizona aber sehr: „Das Wetter ist toll, die Menschen sind unfassbar freundlich, kommunikativ und aufgeschlossen. Es gab bisher noch keinen Spaziergang mit unserer Hündin Frida, an dem wir keine neuen Bekanntschaften geschlossen haben!“ – man bekommt fast ein wenig Fernweh, wenn man die Instagram-Stories auf ihrem Account @elena_dotoli verfolgt. Dort gewährt sie nämlich regelmäßig Einblicke in ihr neues Leben in den USA. Ganz entspannt und nahbar, wie Elena eben ist.

Elena mit ihrer Hündin „Frida“

Juan Matute Guimon auf dem Weg der Besserung

Der spanische Dressurreiter Juan Matute Guimón wurde nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus operiert – sieben Stunden lang dauerte die OP.

Am Dienstag war Juan Matute Guimón bewusstlos zusammengebrochen, nachdem er eine Gehirnblutung erlitt. Im Universitätsklinikum in Madrid musste er sich bereits einer dreistündigen Operation unterziehen, um die Blutung zu stoppen. Allerdings gab es dabei Komplikationen. Eine Entzündung musste gehemmt werden, um dann mit einer zweiten Operation fortzufahren. Diese Operation sei gut verlaufen, so sein Schwester Paula Matute Guimón auf ihrer Instagram-Seite:

„Bruder, heute hast Du Dich selbst übertroffen! Die Operation war ein 100-prozentiger ERFOLG! Sie werden Dich nun noch eine Woche in Ruhe halten, damit Du Dich von der Operation erholen kannst, aber kommende Woche wirst Du wieder bei uns allen sein.“

Wir drücken Juan von ganzem Herzen alle Daumen die wir haben, dass es auch weiterhin bergauf geht!

Juan Matute Guimon in „Kritischem Zustand“ im Krankenhaus

Juan Matute Guimon ist wohl eine der herausragendsten Persönlichkeiten des internationalen Dressursports. Der 23-Jährige ist ein Kandidat für das Spanische Olympiateam und blickt bereits auf eine lange Liste an Erfolgen zurück. Am Dienstag wurde er mit einer Hirnblutung in ein Krankenhaus nach Madrid gebracht.

„Juan hatte in der vergangenen Woche Kopfschmerzen, wir dachten jedoch, dass es sich um eine Allergie handelt. Nachdem Juan heute mit dem Reiten fertig war, fühlte er sich unwohl und verlor das Bewusstsein. Er wurde mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Er hat eine ernst zu nehmende Blutung im Gehirn und befindet sich in einem kritischen Zustand.“ berichtete sein Vater Juan Matute Azpitarte gegenüber Dressage News.

Foto: Franziska Sack / FS Bildpoesie

„Ich muss einfach merken, dass es menschelt“ – Im Gespräch mit Kristin Rösch

In der Pferdewelt wird es kaum jemanden geben, der Kristin und ihre beiden Pferde Dismero und Dan Kano AT nicht kennt. Vor ziemlich genau drei Jahren fing sie mit ihrer Instagramseite „@derdismero“ an und mittlerweile verfolgen über 100.000 Menschen den Alltag von der 26 Jährigen und ihren Vierbeinern. Aus dem einstigen Hobby ist mittlerweile ein Beruf geworden, denn heute arbeitet sie selbständig als Online Marketing Consultant, Texterin, Influencerin und Podcasterin – alles im Bereich Reitsport.

Aufgewachsen in einer Reiterfamilie in der Nähe von Nürnberg ist es kein Wunder, dass sie bereits mit sechs Jahren das erste Mal auf einem Pony saß. „Meine erste Reitstunde hatte ich mit einem dicken, braunen Schulpony, auf dem ich mich ungelenkig aber sehr konsequent durch die Windmühle und andere Highlightübungen an der Longe gequält habe. Mein erstes eigenes Pony hatte ich dann mit neun und auf’s Großpferd bin ich mit zwölf umgestiegen. Viel zu früh, weil wir dachten, ich würde sonst eventuell zu schnell aus einem neuen Pony rauswachsen. Heute bin ich – wie mein Papa sagt – mit 1,58 m auf’s Beste reduziert und reite wieder Pony.“

Ihr Deutsches Reitpony „Dan Kano AT“ (Dimension AT x Folklore) bereichert Kristins Alltag seit mittlerweile einem Jahr. Der 1,47 m große Braunfalbe ist Kristins große Turnierhoffnung. „Das Pony möchte ich gerne irgendwann im großen Viereck vorstellen, aber mein übergeordnetes Ziel ist es, Spaß mit ihm zu haben und ihn allumfassend zu begreifen. Ich möchte die bestmögliche Reiterin für ihn werden, für jede Situation“. Sich Ziele zu stecken hat allerdings mit der Zeit eine etwas andere Bedeutung für Kristin erhalten, da ihr „Dismero“ (Da Vinci x La Rochelle G) von einer Pechsträhne verfolgt gewesen ist. „Ziele stecke ich mir schone lange nicht mehr. Zumindest nicht, was den Turniersport angeht. Wer mir länger folgt weiß, dass ich mit Dismero ziemlich viel Pech hatte. Ich habe die komplette Junge Reiter- und Juniorenzeit auf dem Turnier verpasst und mit Dismero auch bis auf ein paar M* Schleifen nie wirklich was gerissen, weil er quasi immer krank war. Deshalb haben sich meine Ziele mehr und mehr verlagert. Mittlerweile ist alles was ich will, bestmöglich mit meinen Pferden zusammenzuwachsen und so reiten zu können, dass sie langfristig gesund sind.“ Mittlerweile ist Dismero, der seit 11 Jahren an Kristins Seite ist, Rentner und wird täglich besucht und umsorgt.

Kristin mit „Kano“. Foto von Sofia Weigl

Reiten ist für sie allerdings mehr als nur ein Sport: „Für mich sind Pferde seit Kindesbeinen an einfach unbeschreiblich faszinierende Wesen. Was sie tagtäglich im Sport leisten ist wirklich nicht in Worte zu fassen und dabei sind sie auch noch so unglaublich schön. Wenn ich ein Pferd durchs Viereck tanzen sehe, bekomme ich gestern wie heute ein Leuchten in den Augen. Eins das mir sonst keiner schenken kann. Da bleibe ich einfach für immer Pferdemädchen“. Und das spürt man auch, wenn man ihre Beiträge auf Instagram liest. Die Inspiration für ihre Texte schießen ihr häufig spontan in den Kopf: „Inspirationsquellen habe ich viele. Tatsächlich kommen mir die meisten Ideen für Texte beim Autofahren. Ich finde Inspiration aber auch in Liedern, Gedichten und Büchern, die ich lese. Manchmal sind es aber auch nur ganz einfach Dinge, die ich sehe. Ich kann eine dreispurige Autobahn vor mir sehen und habe nach zwei Minuten tagträumen einen fertigen 2000 Zeichen Text zum Thema Werdegang und Lerngeschwindigkeit im Kopf. Das passiert einfach“.

Mit Dismero startete auch Kristins Instagram-Karriere, deren Ursprung drei Jahre zurück liegt. „Damals habe ich für ein Reitsport-Unternehmen das Influencermarketing betreut. Da kam ich das erste Mal in Berührung mit Reitsport-Influencern und dachte mir ziemlich schnell: Das kann ich auch. Auf der Suche nach einer Reitbeteiligung für Dismero habe ich dann Chiqui (Anmerkung der Redaktion: Franziska Gerber) kennengelernt. Sie ist auch Reitsportinfluencerin und heute meine beste Freundin. Vor drei Jahren war sie es, die meinte: „Probier es doch einfach mal.“ Und seitdem hab ich nicht mehr aufgehört“. Mit „Chiqui“ betreibt sie übrigens auch den erfolgreichen Reitsport-Podcast „Neunkommanull“, wo die beiden über ihren Alltag und was sie rund um das Thema Pferd bewegt sprechen. Dabei sind sie herrlich nahbar, natürlich und vor allem witzig. Mit ihrer authentischen und fröhlichen Art begeistern sie mittlerweile viele aus der Pferdesportszene und wurden 2019 mit dem dritten Platz für „Das Silberne Pferd“ ausgezeichnet – ein renommierter Medienpreis für Online Medien im Deutschen Reitsport.

Social Media sieht sie als große Chance und Bereicherung. „Es gibt dort eine Lösung für fast alles! Egal ob man Inspiration sucht, Erklärvideos, Ablenkung, Beistand oder Entertainment. Es gibt quasi nichts, was es nicht gibt. Ich liebe dabei vor allem die Möglichkeit, dass auch Themen, die in den klassischen Massenmedien keine große Rolle spielen, plötzlich in den persönlichen Fokus gerückt werden können. Ich kann dank Social Media Tag und Nacht tagesaktuell Reitsport konsumieren und mich gleichzeitig mit Gleichgesinnten vernetzen. Der Reitsport bekommt so auf eine sehr dynamische Weise mehr Sichtbarkeit. Ich kann sehen, welche Fortschritte meine Freunde überall auf der Welt machen, wie meine Idole zuhause trainieren oder wie Trainer, mit denen ich sonst nie in Kontakt gekommen wäre, Probleme lösen. Das ist eine unfassbare Bereicherung für den Sport“.

Neben all den positiven Aspekten sieht sie jedoch auch die Schattenseiten: „Viele Menschen scheuen sich nach wie vor, auch die vermeintlich negativen Dinge in ihrem Alltag zu zeigen. So entsteht oft der Eindruck, dass es außerhalb der heimischen vier Wände nur Perfektion gibt. Alle haben perfekte Haut, top geföhnte Haare und Pferde aus dem Bilderbuch. Die Pferde laufen alle perfekt und zwar jeden Tag, alle sind rund um die Uhr gut drauf und natürlich auch voll motiviert. Geld spielt scheinbar auch keine Rolle. Das ist gefährlich. Denn auch wenn wir wissen, dass niemand auf dieser Welt perfekt ist und dass es für niemanden im Leben immer nur bergauf geht, entsteht ein verzerrtes Bild der Realität. Und wer nicht mithalten kann oder will, kann schnell zum Außenseiter werden. Cybermobbing, Depressionen und Minderwertigkeitskomplexe haben wegen Social Media und den Menschen dahinter Hochkonjunktur. Ich gebe daher immer folgenden Tipp: Entfolge allen Menschen, bei denen du das Gefühl bekommst, ein anderer Mensch sein zu müssen. Ich finde es toll, wenn Menschen versuchen, besser zu werden. Das tue ich auch. Sobald ich aber merke, dass ich wegen bestimmter Darstellungen an mir zweifle, distanziere ich mich davon. Selbstoptimierung ja, aber nur in einem gesunden Maß“.

Sie selbst hat aufgrund der engen Bindung zu ihrer Community wenig mit negativen Kommentaren zu tun. Der Austausch mit ihren Followern ist ihr wichtig, sie versucht jeden Kommentar und jede Nachricht zu beantworten. „Meiner Meinung nach hat jeder, der sich die Zeit nimmt, sich mit meinen Inhalten auseinanderzusetzen, Wertschätzung verdient und die kann ich am besten durch den direkten Kontakt ausdrücken“. Die Nahbarkeit macht Kristin besonders authentisch – mit vielen ihrer Inhalte kann man sich identifizieren, da sie immer herrlich frei von der Leber einen Schwank aus ihrem Leben erzählt. „Wenn wir über Social Media sprechen bedeutet authentisch sein für mich, dass man offen und ehrlich ist und man neben den Stärken auch den Schwächen Raum gibt. Wenn Menschen offen sind und sich selbst nicht zu ernst nehmen, dann sind sie für mich authentisch. Da spielt es auch gar keine Rolle, wie viel sie von sich preisgeben. Ich muss einfach merken, dass es menschelt“. Bei Kristin „menschelt“ es stark, weswegen es kein Wunder ist, dass sie immer mehr Menschen begeistert, die voller Freude ihren und den Alltag ihrer Pferde verfolgen.

Die ersten Schritte mit Kandare

Ab L** wird auf Turnieren in Dressurprüfungen meist mit Kandare geritten – ab M ist es sogar, sofern nicht anders ausgeschrieben, Pflicht. Dieser Schritt ist eine Herausforderung, denn die Voraussetzung für den Griff zur Kandare – und damit der nächste Schritt in der Ausbildung zum Dressurpferd und idealerweise ein Aufstieg in der Prüfungsklasse auf dem Turnier – ist die Fähigkeit des Reiters, das Pferd auf Trense in korrekter Anlehnung zu reiten und mit Schub aus der Hinterhand über einen schwingenden Rücken an die Hand heran zu arbeiten. Das Pferd muss diese Hilfen natürlich zulassen, denn wenn es an dieser Stelle hapert, ist das Pferd-Reiter-Paar noch nicht bereit, den nächsten Schritt zu gehen. 

Gleichgewicht und Losgelassenheit sind die Schlüsselwörter, wenn es um den Umstieg auf das gelegentliche Training mit Kandare geht. Es ist essentiell wichtig, dass der Reiter unabhängig von seinen Zügeln sitzen kann und in der Bewegung des Pferdes mitgeht und das Pferd nicht in seinem Ablauf stört. An dieser Stelle sei gesagt, dass jeder Reiter, unabhängig von der Wahl des Gebisses, unabhängig von den Zügeln sitzen können muss und dies stets zu überprüfen gilt. Es ist unerlässlich, dass der Reiter sein eigenes Können kritisch hinterfragt und realistisch einschätzt und sich regelmäßig fachkundigen Rat an die Seite holt, um an diesen Punkt der Ausbildung zu arbeiten.

Das Reiten auf Kandare birgt einen Unterschied im Vergleich zum Reiten auf Trense: ein Kandarengebiss ist immer als Stangengebiss angelegt, sodass sich der Druck durch die seitlichen Aufzüge verstärkt und auf das Genick übertragen wird. Beim einfachem oder doppelt gebrochenem Trensengebiss verteilt sich der Druck der Zügel gleichmäßiger.

Übungen, um das Reiten unabhängig von der Hand zu üben:

  • Überstreichen mit einer oder beiden Händen
  • Reiten mit einer Hand in allen drei Gangarten und mit verschiedenen Bahnfiguren
  • Sitzschulung ohne Zügel an der Longe, um Balance und Hilfegebung zu trainieren, beispielsweise das Durchparieren ohne Zügel

Der Sinn einer Kandare ist es, die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd zu verfeinern, was im Umkehrschluss nur möglich ist, wenn dies bereits auf Trense gelingt. Das bedeutet im Klartext, dass das Pferd auf die kleinste treibende Hilfe reagiert, vertrauensvoll an die Hand tritt und die Zunge zu jeder Zeit ruhig unter dem Gebiss liegt. Auch das Thema Versammlung ist in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung, denn auf dem bisherigen Ausbildungsweg wurde das Pferd immer mehr dahingehend trainiert, hinten Last aufzunehmen. Auch während der versammelnden Arbeit sollte das Pferd immer dehnungsbereit sein, sprich ein Pferd, welches sich „oben hinstellt“ ist nicht locker und kann unmöglich über den Rücken schwingen oder eine Schubkraft aus der Hinterhand entwickeln. Das Resultat eines Pferdes, welches sich „oben hinstellt“ ist meist ein vorne strampelndes und hinten kaum aktives Pferd. Um dies immer wieder zu überprüfen, kann man während des Trainings die Zügel aus der Hand kauen lassen und diese wieder aufnehmen, hierbei sollte das Pferd locker schwingend laufen und nicht bei länger werdendem Zügel schneller werden, dann „läuft es sich auseinander“. Das Gleichmaß im Tempo und der Fleiß muss jederzeit gegeben sein, unabhängig von der Lektion.

Um Pferd und Reiter nicht von Anfang an zu überfordern – vor allem dann nicht, wenn beide keine Erfahrungen mit einer Kandare haben – bietet es sich an, erst einmal ein zweites Zügelpaar in das normale Gebiss einzuschnallen. So kann der Reiter üben, mit zwei Zügelpaaren zu reiten, ohne das Pferd zu stören oder ihm Unbehagen zu bereiten. Alle Abläufe sollten nun mit diesen zwei Zügelpaaren geübt werden: das Nachgurten, das Halten und Grüßen, das Reiten mit einer Hand – es klingt im ersten Moment vielleicht banal, doch diese kleinen Alltagssituationen erfordern Fingerspitzengefühl und so hat man die Möglichkeit, maulschonend den Umgang mit zwei Zügelpaaren zu üben. Es versteht sich natürlich von selbst, dass die ersten Schritte – vom Kauf des richtigen Gebisses, über die korrekte Verschnallung bis hin zu den ersten Trainingseinheiten mit einem Kandarengebiss – nur unter Aufsicht eines versierten Ausbilders geschehen sollten. Dieser sollte auch beim Anpassen zur Stelle sein und die ersten Male beim Verschnallen ein Auge auf seine Schützlinge haben, um so bereits die ersten Schritte für Pferd und Reiter angenehm zu gestalten. Bereits das Einhängen der Kinnkette erfordert Feingefühl und Know-How, sodass ein professioneller Reiter dem unerfahrenen Schüler viele wertvolle Tipps mit auf den Weg gehen kann. So kann ein Profi vor allem in der Einstiegsarbeit mit der Kandare darauf achten, dass der Schüler in den Wendungen die äußere Hand genug vor gibt und dass der Kandarenzügel auch eher ein wenig durchhängen darf, statt die ganze Zeit angezogen zu sein.

Um ein junges Pferd an die Kandare zu gewöhnen macht es Sinn, es erst einmal ein paar Tage mit der Gebisskombination zu reiten, damit es sich an das Gefühl gewöhnt, allerdings sollte man auf das Reiten von Lektionen hier erstmal verzichten, sondern sich vermehrt auf Basisarbeit konzentrieren, um das Prozedere nicht unnötig zu erschweren und den Fokus nicht auf zu viele Dinge gleichzeitig zu legen – eins nach dem anderen, es macht mehr Sinn, das Bekannte, welches Pferd und Reiter perfekt beherrschen, wie beispielsweise einfache Bahnfiguren, mit dem (noch) Unbekannten zu verbinden. Wenn das Pferd deutlich angespannt mit der Kandare läuft oder sich in irgendeiner Weise negativ verändert, sollte man wieder auf Trense umsteigen und an der Losgelassenheit und Durchlässigkeit arbeiten. Das Reiten auf Kandare erfordert Feingefühl und Sachverstand, Fehler in der ersten Phase sollten definitiv vermieden werden, da sie zu langfristigen Problemen und zu einem Unwohlsein des Pferdes führen können. 

Wie bereite ich einen Hengst auf die Körung vor?

Ein Interview mit Eirik Erlingsen

Eirik Erlingsen ist gebürtiger Norweger und hat 1999 mit der Ausbildung zum Pferdewirt mit dem damaligen Schwerpunkt Zucht und Haltung begonnen. Nachdem er diese ebenso wie die Weiterbildung zum Pferdewirt Schwerpunkt Reiten abgeschlossen hatte, absolvierte er 2005 die Meisterprüfung „Zucht und Haltung“, um dann in den Prüfungsausschuss der Landwirtschaftskammer Niedersachsen für angehende Pferdewirte Zucht und Haltung und Service und Meisteranwärter berufen zu werden. Im Landgestüt Celle hat er mittlerweile den Dienstgrad eines Sattelmeisters und ist verantwortlich für eine EU-Besamungsstation und mitverantwortlich für die Lehrlings- und Jungpferdeausbildung. 

Woran erkennt man eigentlich einen Köranwärter, was muss ein Hengst mitbringen, um überhaupt auf einer Körung punkten zu können? 

Neben einem korrekten Exterieur, guten Bewegungen und beim Springhengst der entsprechende Springanlagen, muss bei der Entscheidung, ob man den Hengst vorbereiten möchte auch das „gewisse Etwas“ rüber kommen. Junge Pferde in diesem Alter können sich innerhalb sehr kurzer Zeit bei guter Pflege, Arbeit und Fütterung wahnsinnig weiterentwickeln, aber das gewisse Etwas müssen sie von sich aus mitbringen.

Nach welchen Kriterien entscheidet man, ob der Hengst zur Haupt- oder zur Nachkörung geht? 

Ob Haupt- oder Nachkörung ist von zwei ganz entscheidenden Punkten abhängig: Zum Einen, ob man den Hengst bis zur Hauptkörung fit genug hat, um ihn dort optimal vorstellen zu können, und zum Anderen, ob man die Körung auch als Vermarktungsmöglichkeit nutzen möchte. Bei den großen Verbänden ist die Körung in der Regel mit einer anschließenden Auktion verbunden, an der man die Hengste vermarkten kann. Die Hauptkörungen gehen über zwei bis drei Tage, zuzüglich des Tages der Auktion. Dies bedeutet für die jungen Hengste viel Stress mit der fremden Umgebung und der Unruhe die den ganzen Tag über vor Ort vorherrscht. Dies ist bei der Nachkörung ohne Vermarktung deutlich einfacher, das Ganze findet normal an einem Tag statt, allerdings ist hier natürlich eine kleinere Plattform und auch der „Medienrummel“ ist deutlich überschaubarer.

 Wie bereitet man einen Hengst ideal auf eine Körung vor und gibt es da Unterschiede, ob man den Hengst zur Haupt- oder zur Nachkörung vorbereitet? 

Es macht keinen großen Unterschied, ob man den Hengst zur Haupt- oder Nachkörung vorbereitet. Er muss bei beiden Veranstaltungen top vorbereitet sein und seine Leistung bringen. Hierfür sollte der Hengst mindestens drei Monate vorher mit dem Training beginnen. Da es sich um junge Hengste handelt , die in der Regel aus der Aufzucht, beziehungsweise von der Weide kommen, müssen sie erstmal das kleine Einmaleins lernen: Sicher von A nach B führen, anbinden, Füße geben und so weiter. Hinzu kommt das Anlongieren mit der Gewöhnung an Gurt und Ausbinder, sowie das Freispringen. Auch das Vormustern an der Hand muss geübt werden.  Durch das Longieren werden die Hengste nicht nur umgänglicher, sie bauen gleichzeitig Muskulatur auf und bekommen Kraft und Kondition. Am Anfang des Trainings sollten die Zähne von einem Tierarzt kontrolliert werden  und der Schmied rechtzeitig die Hufe begutachten, beziehungsweise der Ausbilder bei eventuellen „Problemfüßen“ den Schmied rechtzeitig kontaktieren. Die Vorbereitung besteht also nicht nur aus Training, sondern aus einem Zusammenspiel von vielen verschiedenen Menschen, die den Hengst in jeder Hinsicht betreuen.

Was passiert, wenn man während der Vorbereitung merkt, dass der Hengst doch noch nicht so weit ist oder dass der Hengst doch kein Körkandidat ist und man sich getäuscht hat? 

Wenn man während der Arebeit merkt, dass der Hengst doch noch nicht so weit ist, kann man zum Beispiel die Nachkörung in Betracht ziehen. Diese findet in der Regel einige Wochen nach der Hauptkörung statt, was gerade für Pferde in dem Alter gewaltig viel Zeit bedeutet, da sie sich hier teilweise sehr schnell weiter entwickeln. Sollte die Entscheidung gefällt werden, dass der Hengst doch kein Köranwärter ist, so kann er trotzdem später ein gutes Reitpferd werden. Die vorbereitende Arbeit ist bereits getan, davon ist er bestimmt nicht dümmer geworden. Zeitnah sollte er dann kastriert werden, noch etwas Pause bekommen und dann, je nach Wunsch des Besitzers, angeritten werden.

Wie ratsam ist es, sich einen Profi an die Seite zu holen, um einen Hengst auf eine Körung vorzubereiten? 

Ich denke, es ist schon ratsam sich professionelle Hilfe, zumindest aber Ratschläge zu holen. Auf jeden Fall sollte man Erfahrung mit der Ausbildung junger Pferde haben. Bei der Körvorbereitung kommt noch hinzu, dass man es mit zweieinhalbjährigen Halbstarken zu tun hat, wo gelegentlich auch mal die Hormone mit ins Spiel kommen. Lernen die Hengste nicht von Anfang an sich unterzuordnen, kann es während der Ausbildung, aber auch später im Laufe des Pferdelebens zu sehr gefährlichen Situationen kommen! Dies ist nicht zu unterschätzen, da ist Routine und Erfahrung gefragt um die alltäglichen Situationen richtig einzuschätzen. Auch darf ein so junges Pferd nicht überfordert werden, muss aber trotzdem ausgeglichen gearbeitet werden, um an „Tag X“ zu glänzen.

Welche „Geheimtips“ (Futter, Pflege, Trainingspläne, …) kannst du empfehlen, womit hast du gute Erfahrungen gemacht? 

Ich persönlich versuche, die Arbeit mit den jungen Hengsten möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Das heißt im Wechsel longieren, freispringen lassen oder Führmaschine, genauso wie frei oder ausgebundenes Laufen lassen in der Halle oder auch mal einfach nur einen Tag auf dem Paddock zum „Nachdenken“. Das in Kombination mit einer guten Fütterung ist eigentlich ein recht sicheres Rezept, um mit dem Hengst ans vorläufige Ziel zu kommen. Bei der Fütterung sollte man grundsätzlich auf eine gute Qualität des Grundfutters achten, beim Kraftfutter habe ich mit relativ einfachen Komponenten gute Erfahrungen gemacht. Die richtige Mischung aus Hafer, Pellets, Mineralfutter, Maisflocken, Sojaschrot und Öl kann eine gute Basis schaffen. Ob andere Zusatzfuttermittel notwendig sind, variiert von Pferd zu Pferd. Ebenso die Mengen der einzelnen Komponenten in Bezug auf Größe, Wachstum und Training. Hier ist es die Aufgabe des Ausbilders zu merken wie das Pferd auf die Ration reagiert und wie sie gegebenenfalls geändert werden sollte.  

Augenerkrankungen bei Pferden

Das Blickfeld eines Pferdes ist bemerkenswert: je nach Neigungswinkel des Kopfes kann ein Pferd 360° erblicken und Bewegungen in weiter Entfernung wahrnehmen, die für den Menschen erst einmal verborgen bleiben. Zwar können sie sich langsamer an die Dunkelheit gewöhnen, doch sobald sich die Augen an die schlechteren Lichtverhältnisse angepasst haben, können sie deutlich besser sehen, als wir Menschen.

Foto: http://www.pferdeauge.de

Die Pferdeaugen sind den Bedürfnissen des Flucht- und potentiellen Beutetier perfekt angepasst. Sie liegen seitlich am Pferdekopf und bieten dem Pferd so die Möglichkeit, sich einen Rundblick zu verschaffen. Dadurch erkennt es eventuelle Gefahrenquellen sehr schnell, nicht zuletzt, weil es sowohl in der Ferne, als auch in der Nähe gleichzeitig scharf sehen kann – dafür können Pferde räumlich nur bedingt gut sehen. Dies behindert sie allerdings nicht, denn das räumliche Sehvermögen wird durch ein gutes fotografisches Gedächtnis wettgemacht, welches sie durch positive und negative Erfahrungen schnell handeln lässt. Der Kopf des Pferdes fungiert übrigens wie eine Art Objektiv, welches je nach Neigungs- und Höhenwinkel die Objekte „scharf stellt“, die das Pferd taxieren möchte. Unter anderem ist es deswegen so wichtig, Springpferde im Parcours rechtzeitig auf den neuen Sprung aufmerksam zu machen und sie mit einer höheren Kopfhaltung laufen zu lassen, um sie nicht zu überraschen – das macht zum Beispiel ein Stechen zu einer enormen Herausforderung, denn hier kommen Sprünge häufig aus engen, schnellen Wendungen und es erfordert enormes Geschick, Vertrauen und Einfühlungsvermögen, diese Hürden gemeinsam zu meistern.

Hier geht es zu dem Beitrag über die Sinnesorgane des Pferdes.

Das Auge dient dem Pferd als starkes Sinnesorgan, mit dem es nicht nur seine potentiellen Feinde, sondern auch seine Freunde aus der Herde erkennen kann. Wenn eines oder sogar beide Augen in Mitleidenschaft gezogen sind, büßt das Pferd einen wichtigen Part ein und deswegen ist es ratsam, den Augen besonders viel Beachtung zu schenken. Gerade in der Sommerzeit, wenn viele Fliegen in den Ställen unterwegs sind, sind tränende Augen keine Seltenheit und oftmals auch kein Grund zur Beunruhigung. Um die Fliegen daran zu hindern, an die Augen zu gehen, kann man dem Pferd eine Fliegenmaske oder ein Halfter mit einem Fransenstirnriemen aufsetzen, um so die Fliegen daran zu hindern, eine bakterielle Entzündung hervorzurufen. Doch wie bei so vielen anderen Erkrankungen auch, steckt der Teufel oftmals im Detail und ein Auge, welches harmlos zu tränen scheint, sollte erst beobachtet werden und dann im Zweifel einem Tierarzt gezeigt werden. Selbst sollte man nicht zur Tat schreiten und das Auge behandeln, ebenso sollte man bereits geöffnete Augensalben meiden, da diese verunreinigt sein könnten.

Um Gewissheit über den Gesundheitszustand der Augen zu haben, gerade, wenn diese stark Tränen oder gar Eiter vorhanden ist, muss ein Tierarzt eine Untersuchung vornehmen, wo er unter anderem den Tränen-Nasen-Kanal spülen wird. Zusätzlich erhält das Pferd ein Antibiotikum und, sofern die Hornhaut intakt ist, eine cortisonhaltige Creme. Doch neben einer „klassischen“ Bindehautentzündung können zusätzlich noch weitere Verletzungen am Auge entstehen, beispielsweise als Folge der Bindehautentzündung, wenn sich das Pferd aufgrund des Juckreizes stark gescheuert hat. Kleine Verletzungen an der obersten Hornhautschicht heilen in der Regeln von alleine innerhalb weniger Tage, allerdings gibt es auch deutlich schwerere Fälle, wo eventuell sogar chirurgische Maßnahmen ergriffen werden können. Das Auge des Pferdes ist zwar ein ausgeklügeltes Sinnesorgan, welches dem Pferd einen Rundblick ermöglicht, doch gerade die Lage der Augen, die für diesen Vorteil zuständig ist, ist gleichzeitig das Manko. Durch die seitlich angebrachten Augen sind sie verletzungsgefährdet durch Stürze, Scheuern oder dumpfe Stöße gegen beispielsweise Tröge oder Zaunpfähle.

Ein weitere Erkrankung, welche für viele zum Albtraum geworden ist, ist die periodische Augenentzündung, die bis hin zum Verlust eines oder sogar beider Augen führen kann und die häufigste Erblindungsursache für Pferde darstellt. Eine Vorbeugung ist leider nicht möglich, was diesen Krankheitsverlauf umso tragischer macht. Äußern tut sich die Krankheit wie eine klassische Augenverletzung, anfangs ist sie von einer Bindehautentzündung nicht großartig zu unterscheiden, weswegen große Vorsicht geboten ist und man im Zweifel lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig den Tierarzt rufen sollte. Symptome können beispielsweise sein:

  • Pferd kneift eines oder beide Augen zusammen
  • Eines oder beide Augen sind geschwollen
  • Eines oder beide Augen tränen

Meistens verläuft die Krankheit recht schmerzhaft, in einigen Fällen bleibt der Schmerz jedoch völlig fern. Bei einer periodischen Augenentzündung muss schnell gehandelt werden, denn je früher eingegriffen wird, desto höher stehen die Heilungschancen. Sobald die akute Entzündung abgeklungen ist, ist der beste nächste Schritt eine Operation, in der das Glaskörpermaterial des Auges mit einer Salzlösung ausgetauscht wird. Wurde die Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt so hat ein Warmblut ein achtzig- bis neunzigprozentige Wahrscheinlichkeit auf eine vollständige Genesung. Leider gibt es auch Rassen, die genetisch prädestiniert für diese Krankheit sind, beispielsweise Appaloosas oder Knabstrupper. Bei einer genetisch bedingten periodischen Augenentzündung ist die Heilungsbilanz wenig zufriedenstellend, in den meisten Fällen kann der Krankheitsfortschritt nur verlangsamt werden. 

Die Sinnesorgane der Pferde

Als Reiter kennt man es zur meist zur Genüge: offensichtliche Dinge finden Pferde nur selten aufregend, wohingegen ein Schatten, eine Pfütze oder die kleine Ansammlung an Blumen am Waldrand plötzlich zum Schreckgespenst werden können. Nehmen Pferde unsere Umwelt anders wahr, als Menschen?

Allen voran muss gesagt werden, dass Pferde Fluchttiere sind, das bedeutet, dass sie instinktiv mit Gefahren rechnen und ihre Umgebung mit den verschiedenen Sinnesorganen im Visier haben, um nicht als Beutetier zu enden. Die Evolution hat es zudem so eingerichtet, dass Pferde einen „Rundblick“ haben: die seitlich angebrachten Augen ermöglichen den Pferden – bis auf den berüchtigten kleinen, toten Winkel – ihre ganze Umgebung zu sehen. Durch die Augenstellung kann jedes Pferdeauge einen anderen Abschnitt der Umgebung wahrnehmen, was auch der Grund ist, weswegen Pferde häufig Bewegungen schneller wahrnehmen, als wir Reiter. Auch in der Dunkelheit sind uns Pferd mit ihren Augen deutlich überlegen, denn auch bei wenig Licht oder sogar in dunkler Nacht können sie gut sehen, auch wenn ihre großen Augen sich langsamer an schlechte Lichtverhältnisse gewöhnen, als beispielsweise das menschliche Auge. Auch ist das fotografische Gedächtnis eines Pferdes gut ausgeprägt, weswegen es sich an bestimmte Situationen sehr gut erinnern kann, die es als gut oder schlecht empfunden hat. Hat ein Pferd beispielsweise eine unschöne Hängerfahrt erlebt, während der der Fahrer mehrmals abrupt gebremst hat beispielsweise, so ist es nicht selten der Fall, dass es beim nächsten Verladen unwillig erscheint, in den Pferdeanhänger einzusteigen.

Doch nicht nur die Augen bieten dem Pferd die Möglichkeit, sich einen guten Überblick zu verschaffen, denn auch die Ohren sind unheimlich beweglich und unabhängig voneinander nutzbar. Pferde können beispielsweise Geräusche wahrnehmen, die für den Menschen überhaupt nicht hörbar sind, beispielsweise Ultraschall. Das ist einer der Gründe, warum Pferde ab und an aus unersichtlichem (oder unhörbarem) Ausgang für den Menschen plötzlich die Flucht ergreifen. Gerade beim Ausreiten schnellt der Kopf des Pferdes hoch und es bleibt stehen, um die Situation zu taxieren, wenn in der Ferne beispielsweise ein Spaziergänger oder Reiter zu sehen ist, den der Reiter noch nicht wahrgenommen hat. In diesem Moment spielen die Ohren und die Augen zusammen und das Pferd versucht die Bewegung wahrzunehmen und einzuschätzen, um eine Gefahr auszuschließen. Doch nicht nur beim Reiten ist es wichtig, auf das Ohrenspiel oder die Augenbewegung des Pferdes zu achten, auch im heimischen Stall am Putzplatz oder beim Führen sollte man auf das Verhalten des Pferdes achten. Im Umgang mit den Pferden sollte man nicht „leise treten“, aber ein paar Grundregeln beachten, beispielsweise sollte man sich nicht ohne Vorwarnung von hinten nähern oder ruckartige Bewegungen machen, um das Tier nicht unnötig zu stressen oder auch selbst verletzt zu werden, weil das Pferd zum Beispiel ausschlägt vor Schreck.

Der Geschmacks- und Geruchssinn der Pferde zeigt den Tieren bereits die kleinsten Veränderungen des Futters oder Wassers, weswegen manche Pferde übrigens jedes Medikament ausfindig machen und sich bei der Verweigerung sehr geschickt anstellen. Deswegen sollte man auch mindestens einmal am Tag die Tränke überprüfen und schauen, ob das Pferd dort hinein geäppelt hat oder ob sich dort Futterreste oder gar Vogelkot befindet, und regelmäßig den Trog und die Mineral- oder Salzlecksteine reinigen und von Futterresten oder Verschmutzungen befreien. Neben dem guten Geschmackssinn haben die Pferde Tasthaare im Maulbereich und an den Ohren, die dabei helfen, Futter zu sortieren oder allgemein die Umwelt noch ein wenig besser wahrnehmen zu können. In manchen Pferdesportbereichen gilt es als „schick“, die Tasthaare zu entfernen, um so ein gepflegteres Äußeres zu erreichen, jedoch ist das in Deutschland verboten und sollte unabhängig von diesem Verbot so oder so nicht praktiziert werden, da man den Tieren damit eine wichtige Stütze der Sinnesorgane nimmt. 

Versicherungen für Pferde

Pferd und Reiter gut abgesichert

Die meiste Zeit genießen wir Reiter das Leben mit unseren Pferden und Probleme möchte man idealerweise nicht im Kopf haben. Auf der einen Seite verständlich, auf der anderen Seite muss man sich auch mit den unbeliebten „Was passiert eigentlich, wenn…?“-Fragen auseinandersetzen. Versicherungen sind ein enorm wichtiges Thema, denn gerade im Umgang mit unseren vierbeinigen Gefährten kann, bei aller Vorsicht, doch mal etwas schief gehen. Auch mit bester Umsicht ist man vor Krankheiten oder Unfällen leider nicht immer in Sicherheit.

Neben den gängigen Versicherungen, die für einen längeren Zeitraum abgeschlossen werden, gibt es auch kurzfristige Versicherungen, die beispielsweise für gezielte Transporte abzuschließen sind. Idealerweise setzt man sich mit dem Versicherungsmakler seines Vertrauens zusammen und bespricht, welche Punkte wichtig sind und auf was man verzichten könnte. 

Haftpflichtversicherung

Diese Versicherung ist eigentlich eine Pflichtversicherung – zwar ist sie gesetzlich nicht vorgeschrieben, doch viele Reitstallbetreiber verlangen von ihren Einstellern den Nachweis über einen abgeschlossen Pferdehalter-Haftpflichtversicherung. Und das ist auch gut so, denn diese Versicherung schließt – je nach Anbieter – diverse Schäden ein, die von dem Pferd verursacht werden, unabhängig davon, ob es sich um Personen-, Vermögens- oder Sachschäden handelt. Für Züchter ist spannend, dass bei einigen Haftpflichtversicherungen die Fohlen bei Fuß, teilweise auch bis zum 12. Lebensmonat, über die Versicherung der Mutterstute mitversichert sind. Wenn man regelmäßig Fremd- oder Gastreiter (Achtung: das sind keine Reitbeteiligungen!) auf seinem Pferd reiten lässt, mit ungewöhnlichen oder gebisslosen Zäumungen unterwegs ist oder auf Veranstaltungen jeglicher Art fährt, greift auch die Haftpflichtversicherung.

Unterschieden wird bei den Haftpflichtversicherungen bei der Deckungssumme, denn die variiert von Anbieter zu Anbieter – zudem haben einzelne Anbieter meist verschiedene „Pakete“ zu unterschiedlichen Preisen im Angebot, die sich dann im Umfang unterscheiden. Bezahlen tut man für die Pferdehalter-Haftpflichtversicherung monatlich ab circa 10 Euro.

Bezüglich einer Reitbeteiligung sollte man mit seiner Versicherung immer sprechen – denn sie gilt nicht als Fremd- oder Gastreiter und muss, teilweise sogar namentlich, gesondert aufgenommen werden. Viele Versicherungen bieten mittlerweile allerdings auch eine Mitversicherung einer Reitbeteiligung ohne Namensnennung an.

Die Krankenversicherung

Eine eher selten gewählte Versicherung, da die monatlichen Aufwendungen ziemlich hoch sind, vor allem, wenn man mehrere Pferde besitzt und diese kaum Wehwehchen haben. Bei vielen Pferden muss gerechnet werden, ob es sich nicht mehr lohnt, monatlich einen (größeren) Betrag beiseite zu legen, als für jedes Pferd eine einzelne Krankenversicherung abzuschließen, denn oftmals übersteigen die Beiträge, die in der Regel ab 100 Euro Monatsbeitrag beginnen, die monatlichen Tierarztkosten. Besonders lohnen tut sich diese Form der Versicherung für Risikopatienten.

Eine Krankenversicherung für Tiere kann man sich wie eine Krankenversicherung für Menschen vorstellen, denn die Kosten für Ärzte und Behandlungen werden in der Regel von dieser Versicherung gedeckelt, teilweise mit einem kleinen Anteil, den man selbst übernimmt. Die OP-Versicherung ist häufig inklusive, was als positiver Punkt anzumerken ist, da man diese dann nicht noch zusätzlich abschließen muss.

Die Operations-Versicherung

Wer keine Krankenversicherung abschließen möchte, könnte allerdings mit der OP-Versicherung gut bedient sein, denn die sichert den Pferdebesitzer im Ernstfall ab und die monatlichen Beiträge sind in der Regel mit einem Startsatz von ungefähr zehn Euro im Monat überschaubar. Wer einmal eine Operation aus der Portokasse zahlen musste, der weiß, warum OP-Versicherungen Sinn machen: Eine Operation, inklusive Nachsorge in der Klinik kann schnell mehrere Tausend Euro kosten, bei einer Kolik Operation landet man schnell über 10.000 Euro, wenn man einen schwierigen Fall hat.

Hier geht es zu dem Beitrag über Koliken beim Pferd. 

Die Leibesfrucht- und Trächtigkeitsversicherung

Diese Versicherung greift meistens ab dem 7. Trächtigkeitsmonat und endet vier Wochen nach der Geburt. Sinn macht diese Versicherung, deren monatlicher Beitrag abhängig von der Versicherungssumme ist, wenn man eine besonders kostspielige Besamung oder beispielsweise einen Embryo-Transfer hat vornehmen lassen.

Lebensversicherung 

Für Pferde kann man wie beim Menschen eine Lebensversicherung abschließen, welche nicht nur im Todesfall des Tieres greift, sondern bei besonders umfangreichen Tarifen auch bei Diebstahl oder dem Verlust von Sport- oder Zuchtuntauglichkeit. Der monatliche Beitrag bemisst sich, wie bei der Leibesfruch- und Trächtigkeitsversicherung, nach dem Wert des Pferdes. Diese Versicherung empfiehlt sich nur für monetär gesehen besonders wertvolle Pferde.

Reiter-Unfall-Versicherung

Eine Versicherung, die sich vor allem dann lohnt, wenn man seine Pferde selber versorgt und dies aufgrund eines Unfalls oder Krankheit über einen gewissen Zeitraum nicht mehr tun kann. Man erhält dann ein Tagegeld, welches die Versorgung der Pferde durch eine dritte Person sicherstellen kann. Der monatliche Beitrag ist sehr überschaubar und beginnt bei sechs Euro im Monat.