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„Ich muss einfach merken, dass es menschelt“ – Im Gespräch mit Kristin Rösch

In der Pferdewelt wird es kaum jemanden geben, der Kristin und ihre beiden Pferde Dismero und Dan Kano AT nicht kennt. Vor ziemlich genau drei Jahren fing sie mit ihrer Instagramseite „@derdismero“ an und mittlerweile verfolgen über 100.000 Menschen den Alltag von der 26 Jährigen und ihren Vierbeinern. Aus dem einstigen Hobby ist mittlerweile ein Beruf geworden, denn heute arbeitet sie selbständig als Online Marketing Consultant, Texterin, Influencerin und Podcasterin – alles im Bereich Reitsport.

Aufgewachsen in einer Reiterfamilie in der Nähe von Nürnberg ist es kein Wunder, dass sie bereits mit sechs Jahren das erste Mal auf einem Pony saß. „Meine erste Reitstunde hatte ich mit einem dicken, braunen Schulpony, auf dem ich mich ungelenkig aber sehr konsequent durch die Windmühle und andere Highlightübungen an der Longe gequält habe. Mein erstes eigenes Pony hatte ich dann mit neun und auf’s Großpferd bin ich mit zwölf umgestiegen. Viel zu früh, weil wir dachten, ich würde sonst eventuell zu schnell aus einem neuen Pony rauswachsen. Heute bin ich – wie mein Papa sagt – mit 1,58 m auf’s Beste reduziert und reite wieder Pony.“

Ihr Deutsches Reitpony „Dan Kano AT“ (Dimension AT x Folklore) bereichert Kristins Alltag seit mittlerweile einem Jahr. Der 1,47 m große Braunfalbe ist Kristins große Turnierhoffnung. „Das Pony möchte ich gerne irgendwann im großen Viereck vorstellen, aber mein übergeordnetes Ziel ist es, Spaß mit ihm zu haben und ihn allumfassend zu begreifen. Ich möchte die bestmögliche Reiterin für ihn werden, für jede Situation“. Sich Ziele zu stecken hat allerdings mit der Zeit eine etwas andere Bedeutung für Kristin erhalten, da ihr „Dismero“ (Da Vinci x La Rochelle G) von einer Pechsträhne verfolgt gewesen ist. „Ziele stecke ich mir schone lange nicht mehr. Zumindest nicht, was den Turniersport angeht. Wer mir länger folgt weiß, dass ich mit Dismero ziemlich viel Pech hatte. Ich habe die komplette Junge Reiter- und Juniorenzeit auf dem Turnier verpasst und mit Dismero auch bis auf ein paar M* Schleifen nie wirklich was gerissen, weil er quasi immer krank war. Deshalb haben sich meine Ziele mehr und mehr verlagert. Mittlerweile ist alles was ich will, bestmöglich mit meinen Pferden zusammenzuwachsen und so reiten zu können, dass sie langfristig gesund sind.“ Mittlerweile ist Dismero, der seit 11 Jahren an Kristins Seite ist, Rentner und wird täglich besucht und umsorgt.

Kristin mit „Kano“. Foto von Sofia Weigl

Reiten ist für sie allerdings mehr als nur ein Sport: „Für mich sind Pferde seit Kindesbeinen an einfach unbeschreiblich faszinierende Wesen. Was sie tagtäglich im Sport leisten ist wirklich nicht in Worte zu fassen und dabei sind sie auch noch so unglaublich schön. Wenn ich ein Pferd durchs Viereck tanzen sehe, bekomme ich gestern wie heute ein Leuchten in den Augen. Eins das mir sonst keiner schenken kann. Da bleibe ich einfach für immer Pferdemädchen“. Und das spürt man auch, wenn man ihre Beiträge auf Instagram liest. Die Inspiration für ihre Texte schießen ihr häufig spontan in den Kopf: „Inspirationsquellen habe ich viele. Tatsächlich kommen mir die meisten Ideen für Texte beim Autofahren. Ich finde Inspiration aber auch in Liedern, Gedichten und Büchern, die ich lese. Manchmal sind es aber auch nur ganz einfach Dinge, die ich sehe. Ich kann eine dreispurige Autobahn vor mir sehen und habe nach zwei Minuten tagträumen einen fertigen 2000 Zeichen Text zum Thema Werdegang und Lerngeschwindigkeit im Kopf. Das passiert einfach“.

Mit Dismero startete auch Kristins Instagram-Karriere, deren Ursprung drei Jahre zurück liegt. „Damals habe ich für ein Reitsport-Unternehmen das Influencermarketing betreut. Da kam ich das erste Mal in Berührung mit Reitsport-Influencern und dachte mir ziemlich schnell: Das kann ich auch. Auf der Suche nach einer Reitbeteiligung für Dismero habe ich dann Chiqui (Anmerkung der Redaktion: Franziska Gerber) kennengelernt. Sie ist auch Reitsportinfluencerin und heute meine beste Freundin. Vor drei Jahren war sie es, die meinte: „Probier es doch einfach mal.“ Und seitdem hab ich nicht mehr aufgehört“. Mit „Chiqui“ betreibt sie übrigens auch den erfolgreichen Reitsport-Podcast „Neunkommanull“, wo die beiden über ihren Alltag und was sie rund um das Thema Pferd bewegt sprechen. Dabei sind sie herrlich nahbar, natürlich und vor allem witzig. Mit ihrer authentischen und fröhlichen Art begeistern sie mittlerweile viele aus der Pferdesportszene und wurden 2019 mit dem dritten Platz für „Das Silberne Pferd“ ausgezeichnet – ein renommierter Medienpreis für Online Medien im Deutschen Reitsport.

Social Media sieht sie als große Chance und Bereicherung. „Es gibt dort eine Lösung für fast alles! Egal ob man Inspiration sucht, Erklärvideos, Ablenkung, Beistand oder Entertainment. Es gibt quasi nichts, was es nicht gibt. Ich liebe dabei vor allem die Möglichkeit, dass auch Themen, die in den klassischen Massenmedien keine große Rolle spielen, plötzlich in den persönlichen Fokus gerückt werden können. Ich kann dank Social Media Tag und Nacht tagesaktuell Reitsport konsumieren und mich gleichzeitig mit Gleichgesinnten vernetzen. Der Reitsport bekommt so auf eine sehr dynamische Weise mehr Sichtbarkeit. Ich kann sehen, welche Fortschritte meine Freunde überall auf der Welt machen, wie meine Idole zuhause trainieren oder wie Trainer, mit denen ich sonst nie in Kontakt gekommen wäre, Probleme lösen. Das ist eine unfassbare Bereicherung für den Sport“.

Neben all den positiven Aspekten sieht sie jedoch auch die Schattenseiten: „Viele Menschen scheuen sich nach wie vor, auch die vermeintlich negativen Dinge in ihrem Alltag zu zeigen. So entsteht oft der Eindruck, dass es außerhalb der heimischen vier Wände nur Perfektion gibt. Alle haben perfekte Haut, top geföhnte Haare und Pferde aus dem Bilderbuch. Die Pferde laufen alle perfekt und zwar jeden Tag, alle sind rund um die Uhr gut drauf und natürlich auch voll motiviert. Geld spielt scheinbar auch keine Rolle. Das ist gefährlich. Denn auch wenn wir wissen, dass niemand auf dieser Welt perfekt ist und dass es für niemanden im Leben immer nur bergauf geht, entsteht ein verzerrtes Bild der Realität. Und wer nicht mithalten kann oder will, kann schnell zum Außenseiter werden. Cybermobbing, Depressionen und Minderwertigkeitskomplexe haben wegen Social Media und den Menschen dahinter Hochkonjunktur. Ich gebe daher immer folgenden Tipp: Entfolge allen Menschen, bei denen du das Gefühl bekommst, ein anderer Mensch sein zu müssen. Ich finde es toll, wenn Menschen versuchen, besser zu werden. Das tue ich auch. Sobald ich aber merke, dass ich wegen bestimmter Darstellungen an mir zweifle, distanziere ich mich davon. Selbstoptimierung ja, aber nur in einem gesunden Maß“.

Sie selbst hat aufgrund der engen Bindung zu ihrer Community wenig mit negativen Kommentaren zu tun. Der Austausch mit ihren Followern ist ihr wichtig, sie versucht jeden Kommentar und jede Nachricht zu beantworten. „Meiner Meinung nach hat jeder, der sich die Zeit nimmt, sich mit meinen Inhalten auseinanderzusetzen, Wertschätzung verdient und die kann ich am besten durch den direkten Kontakt ausdrücken“. Die Nahbarkeit macht Kristin besonders authentisch – mit vielen ihrer Inhalte kann man sich identifizieren, da sie immer herrlich frei von der Leber einen Schwank aus ihrem Leben erzählt. „Wenn wir über Social Media sprechen bedeutet authentisch sein für mich, dass man offen und ehrlich ist und man neben den Stärken auch den Schwächen Raum gibt. Wenn Menschen offen sind und sich selbst nicht zu ernst nehmen, dann sind sie für mich authentisch. Da spielt es auch gar keine Rolle, wie viel sie von sich preisgeben. Ich muss einfach merken, dass es menschelt“. Bei Kristin „menschelt“ es stark, weswegen es kein Wunder ist, dass sie immer mehr Menschen begeistert, die voller Freude ihren und den Alltag ihrer Pferde verfolgen.

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