Zucht
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Wie bereite ich einen Hengst auf die Körung vor?

Ein Interview mit Eirik Erlingsen

Eirik Erlingsen ist gebürtiger Norweger und hat 1999 mit der Ausbildung zum Pferdewirt mit dem damaligen Schwerpunkt Zucht und Haltung begonnen. Nachdem er diese ebenso wie die Weiterbildung zum Pferdewirt Schwerpunkt Reiten abgeschlossen hatte, absolvierte er 2005 die Meisterprüfung „Zucht und Haltung“, um dann in den Prüfungsausschuss der Landwirtschaftskammer Niedersachsen für angehende Pferdewirte Zucht und Haltung und Service und Meisteranwärter berufen zu werden. Im Landgestüt Celle hat er mittlerweile den Dienstgrad eines Sattelmeisters und ist verantwortlich für eine EU-Besamungsstation und mitverantwortlich für die Lehrlings- und Jungpferdeausbildung. 

Woran erkennt man eigentlich einen Köranwärter, was muss ein Hengst mitbringen, um überhaupt auf einer Körung punkten zu können? 

Neben einem korrekten Exterieur, guten Bewegungen und beim Springhengst der entsprechende Springanlagen, muss bei der Entscheidung, ob man den Hengst vorbereiten möchte auch das „gewisse Etwas“ rüber kommen. Junge Pferde in diesem Alter können sich innerhalb sehr kurzer Zeit bei guter Pflege, Arbeit und Fütterung wahnsinnig weiterentwickeln, aber das gewisse Etwas müssen sie von sich aus mitbringen.

Nach welchen Kriterien entscheidet man, ob der Hengst zur Haupt- oder zur Nachkörung geht? 

Ob Haupt- oder Nachkörung ist von zwei ganz entscheidenden Punkten abhängig: Zum Einen, ob man den Hengst bis zur Hauptkörung fit genug hat, um ihn dort optimal vorstellen zu können, und zum Anderen, ob man die Körung auch als Vermarktungsmöglichkeit nutzen möchte. Bei den großen Verbänden ist die Körung in der Regel mit einer anschließenden Auktion verbunden, an der man die Hengste vermarkten kann. Die Hauptkörungen gehen über zwei bis drei Tage, zuzüglich des Tages der Auktion. Dies bedeutet für die jungen Hengste viel Stress mit der fremden Umgebung und der Unruhe die den ganzen Tag über vor Ort vorherrscht. Dies ist bei der Nachkörung ohne Vermarktung deutlich einfacher, das Ganze findet normal an einem Tag statt, allerdings ist hier natürlich eine kleinere Plattform und auch der „Medienrummel“ ist deutlich überschaubarer.

 Wie bereitet man einen Hengst ideal auf eine Körung vor und gibt es da Unterschiede, ob man den Hengst zur Haupt- oder zur Nachkörung vorbereitet? 

Es macht keinen großen Unterschied, ob man den Hengst zur Haupt- oder Nachkörung vorbereitet. Er muss bei beiden Veranstaltungen top vorbereitet sein und seine Leistung bringen. Hierfür sollte der Hengst mindestens drei Monate vorher mit dem Training beginnen. Da es sich um junge Hengste handelt , die in der Regel aus der Aufzucht, beziehungsweise von der Weide kommen, müssen sie erstmal das kleine Einmaleins lernen: Sicher von A nach B führen, anbinden, Füße geben und so weiter. Hinzu kommt das Anlongieren mit der Gewöhnung an Gurt und Ausbinder, sowie das Freispringen. Auch das Vormustern an der Hand muss geübt werden.  Durch das Longieren werden die Hengste nicht nur umgänglicher, sie bauen gleichzeitig Muskulatur auf und bekommen Kraft und Kondition. Am Anfang des Trainings sollten die Zähne von einem Tierarzt kontrolliert werden  und der Schmied rechtzeitig die Hufe begutachten, beziehungsweise der Ausbilder bei eventuellen „Problemfüßen“ den Schmied rechtzeitig kontaktieren. Die Vorbereitung besteht also nicht nur aus Training, sondern aus einem Zusammenspiel von vielen verschiedenen Menschen, die den Hengst in jeder Hinsicht betreuen.

Was passiert, wenn man während der Vorbereitung merkt, dass der Hengst doch noch nicht so weit ist oder dass der Hengst doch kein Körkandidat ist und man sich getäuscht hat? 

Wenn man während der Arebeit merkt, dass der Hengst doch noch nicht so weit ist, kann man zum Beispiel die Nachkörung in Betracht ziehen. Diese findet in der Regel einige Wochen nach der Hauptkörung statt, was gerade für Pferde in dem Alter gewaltig viel Zeit bedeutet, da sie sich hier teilweise sehr schnell weiter entwickeln. Sollte die Entscheidung gefällt werden, dass der Hengst doch kein Köranwärter ist, so kann er trotzdem später ein gutes Reitpferd werden. Die vorbereitende Arbeit ist bereits getan, davon ist er bestimmt nicht dümmer geworden. Zeitnah sollte er dann kastriert werden, noch etwas Pause bekommen und dann, je nach Wunsch des Besitzers, angeritten werden.

Wie ratsam ist es, sich einen Profi an die Seite zu holen, um einen Hengst auf eine Körung vorzubereiten? 

Ich denke, es ist schon ratsam sich professionelle Hilfe, zumindest aber Ratschläge zu holen. Auf jeden Fall sollte man Erfahrung mit der Ausbildung junger Pferde haben. Bei der Körvorbereitung kommt noch hinzu, dass man es mit zweieinhalbjährigen Halbstarken zu tun hat, wo gelegentlich auch mal die Hormone mit ins Spiel kommen. Lernen die Hengste nicht von Anfang an sich unterzuordnen, kann es während der Ausbildung, aber auch später im Laufe des Pferdelebens zu sehr gefährlichen Situationen kommen! Dies ist nicht zu unterschätzen, da ist Routine und Erfahrung gefragt um die alltäglichen Situationen richtig einzuschätzen. Auch darf ein so junges Pferd nicht überfordert werden, muss aber trotzdem ausgeglichen gearbeitet werden, um an „Tag X“ zu glänzen.

Welche „Geheimtips“ (Futter, Pflege, Trainingspläne, …) kannst du empfehlen, womit hast du gute Erfahrungen gemacht? 

Ich persönlich versuche, die Arbeit mit den jungen Hengsten möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Das heißt im Wechsel longieren, freispringen lassen oder Führmaschine, genauso wie frei oder ausgebundenes Laufen lassen in der Halle oder auch mal einfach nur einen Tag auf dem Paddock zum „Nachdenken“. Das in Kombination mit einer guten Fütterung ist eigentlich ein recht sicheres Rezept, um mit dem Hengst ans vorläufige Ziel zu kommen. Bei der Fütterung sollte man grundsätzlich auf eine gute Qualität des Grundfutters achten, beim Kraftfutter habe ich mit relativ einfachen Komponenten gute Erfahrungen gemacht. Die richtige Mischung aus Hafer, Pellets, Mineralfutter, Maisflocken, Sojaschrot und Öl kann eine gute Basis schaffen. Ob andere Zusatzfuttermittel notwendig sind, variiert von Pferd zu Pferd. Ebenso die Mengen der einzelnen Komponenten in Bezug auf Größe, Wachstum und Training. Hier ist es die Aufgabe des Ausbilders zu merken wie das Pferd auf die Ration reagiert und wie sie gegebenenfalls geändert werden sollte.  

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