Gesundheit
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Die Sinnesorgane der Pferde

Als Reiter kennt man es zur meist zur Genüge: offensichtliche Dinge finden Pferde nur selten aufregend, wohingegen ein Schatten, eine Pfütze oder die kleine Ansammlung an Blumen am Waldrand plötzlich zum Schreckgespenst werden können. Nehmen Pferde unsere Umwelt anders wahr, als Menschen?

Allen voran muss gesagt werden, dass Pferde Fluchttiere sind, das bedeutet, dass sie instinktiv mit Gefahren rechnen und ihre Umgebung mit den verschiedenen Sinnesorganen im Visier haben, um nicht als Beutetier zu enden. Die Evolution hat es zudem so eingerichtet, dass Pferde einen „Rundblick“ haben: die seitlich angebrachten Augen ermöglichen den Pferden – bis auf den berüchtigten kleinen, toten Winkel – ihre ganze Umgebung zu sehen. Durch die Augenstellung kann jedes Pferdeauge einen anderen Abschnitt der Umgebung wahrnehmen, was auch der Grund ist, weswegen Pferde häufig Bewegungen schneller wahrnehmen, als wir Reiter. Auch in der Dunkelheit sind uns Pferd mit ihren Augen deutlich überlegen, denn auch bei wenig Licht oder sogar in dunkler Nacht können sie gut sehen, auch wenn ihre großen Augen sich langsamer an schlechte Lichtverhältnisse gewöhnen, als beispielsweise das menschliche Auge. Auch ist das fotografische Gedächtnis eines Pferdes gut ausgeprägt, weswegen es sich an bestimmte Situationen sehr gut erinnern kann, die es als gut oder schlecht empfunden hat. Hat ein Pferd beispielsweise eine unschöne Hängerfahrt erlebt, während der der Fahrer mehrmals abrupt gebremst hat beispielsweise, so ist es nicht selten der Fall, dass es beim nächsten Verladen unwillig erscheint, in den Pferdeanhänger einzusteigen.

Doch nicht nur die Augen bieten dem Pferd die Möglichkeit, sich einen guten Überblick zu verschaffen, denn auch die Ohren sind unheimlich beweglich und unabhängig voneinander nutzbar. Pferde können beispielsweise Geräusche wahrnehmen, die für den Menschen überhaupt nicht hörbar sind, beispielsweise Ultraschall. Das ist einer der Gründe, warum Pferde ab und an aus unersichtlichem (oder unhörbarem) Ausgang für den Menschen plötzlich die Flucht ergreifen. Gerade beim Ausreiten schnellt der Kopf des Pferdes hoch und es bleibt stehen, um die Situation zu taxieren, wenn in der Ferne beispielsweise ein Spaziergänger oder Reiter zu sehen ist, den der Reiter noch nicht wahrgenommen hat. In diesem Moment spielen die Ohren und die Augen zusammen und das Pferd versucht die Bewegung wahrzunehmen und einzuschätzen, um eine Gefahr auszuschließen. Doch nicht nur beim Reiten ist es wichtig, auf das Ohrenspiel oder die Augenbewegung des Pferdes zu achten, auch im heimischen Stall am Putzplatz oder beim Führen sollte man auf das Verhalten des Pferdes achten. Im Umgang mit den Pferden sollte man nicht „leise treten“, aber ein paar Grundregeln beachten, beispielsweise sollte man sich nicht ohne Vorwarnung von hinten nähern oder ruckartige Bewegungen machen, um das Tier nicht unnötig zu stressen oder auch selbst verletzt zu werden, weil das Pferd zum Beispiel ausschlägt vor Schreck.

Der Geschmacks- und Geruchssinn der Pferde zeigt den Tieren bereits die kleinsten Veränderungen des Futters oder Wassers, weswegen manche Pferde übrigens jedes Medikament ausfindig machen und sich bei der Verweigerung sehr geschickt anstellen. Deswegen sollte man auch mindestens einmal am Tag die Tränke überprüfen und schauen, ob das Pferd dort hinein geäppelt hat oder ob sich dort Futterreste oder gar Vogelkot befindet, und regelmäßig den Trog und die Mineral- oder Salzlecksteine reinigen und von Futterresten oder Verschmutzungen befreien. Neben dem guten Geschmackssinn haben die Pferde Tasthaare im Maulbereich und an den Ohren, die dabei helfen, Futter zu sortieren oder allgemein die Umwelt noch ein wenig besser wahrnehmen zu können. In manchen Pferdesportbereichen gilt es als „schick“, die Tasthaare zu entfernen, um so ein gepflegteres Äußeres zu erreichen, jedoch ist das in Deutschland verboten und sollte unabhängig von diesem Verbot so oder so nicht praktiziert werden, da man den Tieren damit eine wichtige Stütze der Sinnesorgane nimmt. 

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